Wahlaufruf auf Amerikanisch und Deutsch

20. Juli 2009 § 3

Ich bin ehrlich. Ich mag Wahlaufrufe nicht besonders. Erstens, ich gehe so oder so wählen. Zweitens, sie sind nicht sonderlich kreativ, ideenlos, haben keine Botschaft, bei der ich mir vorstellen kann, dass sie Nichtwähler wirklich überzeugt.

Aber im letzten Jahr gab es drüben in den Staaten einen wirklich tollen Spot. Simpel, aber gut.


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Amerikanische Promis riefen anfangs explizit zum nicht Wählen auf. Was bringts noch? Wir haben eine Krise. Durch die da oben eingebrockt. Wenn es sowieso keinen Zweck hat zu wählen, kann man auch gemütlich an diesem Tag zu Hause bleiben. Aber dann setzte der Spot erst so richtig an. Wenn Du Dich um Themen kümmerst oder sie Dich sogar unmittelbar betreffen, na ja, vielleicht solltest Du doch wählen gehen. Kurzum die Botschaft schwenkt um, sich zu registrieren und definitiv wählen zu gehen. Weil es wichtig ist.

Wirklich gut daran war, dass dieser fast fünf Minuten andauernde Film für jeden klar und verständlich die Sache auf den Punkt gebracht hatte. Und dabei, so blöd dass sich anhören mag, jeden mitnahm, Intellektuelle wie Leute, die sich in Büchern lieber die Bildchen anschauen. Er nahm jemanden an die Hand und setzte ihn wieder an einem bestimmten Punkt ab. Er beschrieb einen nachvollziehbaren, gedanklichen Prozess und konnte zur eigenen Reflexion darüber hinaus anregen.

Heute haben wir 2009 und die Bundestagswahlen stehen in unserem Land bald an. Und natürlich gibt es auch wieder Wahlaufrufe und ebenso war klar, dass man die Idee des US-Spots irgendwann aufgreifen würde. Wer hat die Copy-Cats erfunden? Die Deutschen. In diesem Fall hat uns das die Plattform politik-digital.de eingebrockt.
Ich werde dieses Video hier definitiv nicht einbetten, sondern nur für denjenigen verlinken, der sich das ganze wirklich antun möchte. Denn ich möchte verhindern, dass dieser müde, kontraproduktive Spot seine virale Entfaltung haben wird. Für manche, hoffentlich viele, ist der angebliche Wahlboykott als solcher leicht zu identifizieren. Aber nicht wirklich für alle, da er auf die explizite Aufforderung doch sein Kreuz zu setzen vollständig verzichtet. Irritiert lässt er den Zuschauer definitiv zurück. Insofern könnte dieser Spot sehr schnell seine kontraproduktive Wirkung haben. Diese ein bisschen mehr als eine Minute soll sich doch schließlich auch an junge Wähler richten, u.a. auch Erstwähler. Menschen, die nicht zwangsläufig immer das Politikverständnis haben, was auch völlig legitim ist. Politikverdrossene könnten nur bestätigt werden.

Ein abgekupferter Fehlgriff, mit missverständlicher Botschaft, und nebenbei noch Promis, von den ich sogar erwartet habe, dass sie bei so einem Auftritt mit von der Partie sind.

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