Und Gott sprach: Es werde Web 2.0. Oder so ähnlich.

28. Januar 2009 § 2

Ich bin kein von Euphorie Besessener. Nicht in diesem Leben und auch nicht im nächsten. Dadurch bilde ich mir ein, etwas nüchternder auf verschiedene Sachen blicken zu können (manchmal zu nüchtern). Genauso geht es mir mit dem momentanen Stand des Web.

Schon lange ist es angekommen, das so genannte Web 2.0. Na ja, zumindest teilweise. Wir werden Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat mit neuen Tools zugeschmissen bis der Doktor kommt. Die einen erzeugen mehr Buzz, die anderen weniger. Die Werkzeuge, die es aber tatsächlich schaffen einen Massenhype zu generieren halten sich oft lange wacker oben. Diese Tatsache verursacht bei den allermeisten Nutzern eine Jubelposse nach der anderen. Twitter wird zum “Next big thing”, soziale Netzwerke wie Facebook erscheinen als fantastisches Mittel der Kontaktpflege.
Und sind wir mal ehrlich: wir haben in der Tat dadurch neue Wege erschlossen über das Netz miteinander sozial zu interagieren, in einer neuen Dimension miteinander zu kommunizieren.

Schön und gut! Dabei eklatant störend ist, dass dieser Buzz gar nicht mehr aufhören mag. Im Gegenteil, er wird munter von fast allen weiter propagiert. Ich empfinde diese Situation als äußerst hinderlich. Vor lauter Jubeln über das Was, kommen wir immer noch nicht so richtig dazu, uns über das Wie zu unterhalten. Und die Gewissheit darüber lässt erschreckend viel erklären, was wir alle die letzten Jahre erlebt haben (müssen).

  • Weil ein Dienst super toll war, wurden wir von vielen zig tausend Copy-Cats überschüttet. Diesen Trend sehe ich nicht gestoppt.
  • Gerade die großen Dienste haben für sich immer noch kein Monetisierung- bzw. überhaupt mal ein Geschäftsmodell entdeckt. Wie bitter nötig sie es haben, steht außer Frage.
  • Vor lauter Euphorie haben fast alle wieder einmal gepennt und sich in eingemauerte Gärten verbarrikadieren lassen (z.B. Twitter, so ziemlich jedes soziale Netzwerk, etc.). Als hätten wir diesen Mist nicht schon einmal mitmachen müssen. Auch an dieser Stelle sei mal wieder auf identi.ca bzgl. Microblogging verwiesen.
  • Die Hessen-Wahl hat gezeigt, dass es zumindest hier in Deutschland für die Parteien ausreicht sich Web-Werkzeuge zu besorgen. Inhalt kam bisher nicht bei raus!
  • Ebenso agieren Unternehmen im Web immer noch ziemlich plump und unattraktiv. Wie gesagt, Hauptsache man hat ein Werkzeug.

Das genügt der Übersicht halber für den Anfang, obwohl es sicherlich noch weitere Grundsatzfragen zu diesem Thema gibt. In der Tat macht sich ein neuer Beratertyp auf, um diese zu klären und zu erklären, die Social Media Experten. Vielleicht mögen sie gute Ansätze und Erklärungsversuche haben. Vielleicht aber auch nicht. Mit hundertprozentiger Sicherheit kann dies keiner sagen.

Ich war leider nicht bei der MBC09 dabei und war daher gezwungen, so gut es ging, über das Web die Konferenz zu verfolgen bzw. die ganzen Zusammenfassungen darüber zu lesen. Ein Weg konstruktiv Grundsätze zu diskutieren. Gut so!

Trotzdem habe ich im Moment immer noch die Befürchtung, dass wir gar nicht realisieren, welch geiles Teufelszeug wir da in Händen halten!

§ 2 Kommentare zu “Und Gott sprach: Es werde Web 2.0. Oder so ähnlich.”

  • Mao-B sagt:

    Im Endeffekt gehts dabei nur um eins: Geschäftsmodelle; und ergo um einen Weg den Hype Gewinnbringend an den Mann zu bringen. Es geht ums GELD. Und wie so oft bleibt dabei irgenwie eine Menge wirklich zwischenmenschliches auf der Strecke…

  • Cartagena sagt:

    Darauf wollte ich in diesem Text noch nicht einmal so sehr hinaus.
    Aber Du hast natürlich in sofern recht, dass es für die Anbieter darum geht, ihre Dienste zu finanzieren. Klar! Einfach nur für lau auf Dauer kann kaum einer etwas anbieten. Anders geht es auch fast nicht bei den vielfach genutzten Services. Inwiefern das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleibt, bin ich allerdings auch noch gespannt, wieviel 2.0 noch vom Web in Zukunft übrig bleibt.

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